Warum eine Facebook-Seite keine Website ersetzt

Facebook ist das mit Abstand erfolgreichste soziale Netzwerk, das es bisher gab. Weltweit hat Facebook ca. 1,7 Mrd. Nutzer. Alleine in Deutschland sind es ca. 28 Mio. aktive Nutzer und 21 Mio. Menschen, die Facebook jeden Tag benutzen. Diese Zahlen verdeutlichen, welche enorme Reichweite dieses Netzwerk hat und welche Potentiale es für Unternehmen bietet. Seit der Entwicklung von Web 2.0 wurde es immer wichtiger für Unternehmen in sozialen Netzwerken aktiv zu sein und ist heute zu einem Standard-Kommunikationskanal geworden. Anfang 2009 hatten lediglich fünf Unternehmen aus dem Deutschen Aktien Index (Dax) eine Facebook-Seite, heute pflegt fast jedes Unternehmen eine Präsenz in sozialen Netzwerken, allen voran Facebook.

Die steigende Relevanz von Facebook lässt die Frage zu, ob eine Facebook-Seite nicht die gesamte Website eines Unternehmens ersetzen könnte. In den letzten Jahren gab es immer Mal wieder Unternehmen, wie das FHM-Magazin oder der Agenturverbund Grey Global, die ihre Homepage durch eine Facebook-Seite komplett ersetzt haben. Ist dieser radikale Schritt zu empfehlen? Viele Bereiche, wie bspw. Service und Beratung, Markenbildung, Stellenanzeigen und mehr werden bereits über Facebook-Seiten angeboten und decken damit Funktionen ab, die früher durch Websites durchgeführt wurden. Was ist also besser, Facebook oder eine Homepage?

Social Bakers Mercedes Facebook Interaktionen

Quelle: Social Bakers, Facebook Interaktionen Q2 2014 Top5 Automobil Marken,
ein Beispiel für die erfolgreiche Nutzung von Social Media in der Automobilbranche

Vorteile einer Facebook-Seite

Grundsätzlich dient eine Unternehmenswebsite dazu Informationen über Produkte, Dienstleistungen, Karrieremöglichkeiten oder Aktionen für Kunden und Interessenten zu kommunizieren. Das Problem ist hierbei aber, dass ein Nutzer eine Website nur besucht, wenn er sie bereits kennt, Marketingaktionen seine Aufmerksamkeit geweckt haben oder er über Suchmaschinen darauf zugreift. Eine Seite im Rahmen eines sozialen Netzwerkes kann zwar nicht die gleiche Fülle an Informationen wie eine Website bieten, macht sich jedoch das virale Potential von sozialen Netzwerken zunutze. Der virale Effekt bezeichnet dabei die Möglichkeit durch „Shares“ und „Likes“ neue Nutzer zu erreichen und sich immer weiter zu verbreiten. Dieser Effekt tritt aber nur auf, wenn die veröffentlichten Inhalte den Nutzern einen Mehrwert bieten.

Einer der größten Vorteile einer Facebook-Seite ist die Tatsache, dass sie einfach und kostenlos (abgesehen von dem zeitlichen Aufwand) zu erstellen ist. Die Verwaltung einer Facebook-Seite ist außerdem sehr unkompliziert, da das Design bekannt ist und Moderatoren nicht erst in ein Homepage-System eingeführt werden müssen. Weiterhin hat man über das soziale Netzwerk einfache Möglichkeiten mit seinen Kunden und Interessenten in Kontakt zu treten. Das kann über Posts, Kommentare oder Chat-Funktionen geschehen. Teilweise verschieben Unternehmen ihren gesamten Kundensupport auf Facebook. Prinzipiell hat das den Vorteil, dass man die Kunden genau dort abholt, wo sie sich befinden. Facebook hat im Vergleich zu anderen Unternehmen eine der höchsten Verweildauern, also die durchschnittliche Zeit, die ein Nutzer auf der Seite verbringt. Sie müssen also nicht erst die Homepage des Unternehmens besuchen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit mit einfachen Mitteln Informationen zu neuen Produkten oder Angeboten direkt und zielgerichtet zu bewerben. Bspw. kann man seine Werbung nur bestimmten Zielgruppen anzeigen.

Nachteile einer Facebook-Seite

Der wohl größte Nachteil ist die Tatsache, dass lediglich 28 Mio. Nutzer auf Facebook sind. Zum Vergleich, insgesamt gibt es in Deutschland momentan 58 Mio. Internetnutzer. Wer sich also allein auf Facebook beschränkt, erreicht nur einen Teil der Nutzer in Deutschland. Auch für eine gute Platzierung in den Suchergebnissen von Suchmaschinen sind Facebook-Seiten eher suboptimal. Meistens sind deren Platzierungen niedriger gegenüber normalen Homepages.

Bei einer Facebook-Seite sollte nicht der Irrglaube bestehen, dass sie weniger Aufwand benötigt als eine Website. Auch eine Facebook-Seite muss gepflegt werden und kann daher schnell unprofessionell wirken. Bspw. müssen Moderatoren regelmäßig die Pinnwand bzw. die Kommentare überwachen, da dort Fans oder auch Dritte die Möglichkeit haben etwas zu posten. Das impliziert das Risiko, dass Spam auf der Facebook-Seite landet oder die Seite ihren Zweck verfehlt. Man muss sich dabei auch negativer Kritik stellen können, da sich negative Erfahrungen mit einer höheren Geschwindigkeit verbreiten als positive, was auch nochmal durch den viralen Effekt verstärkt wird. Man sollte also darauf achten, negative Äußerungen nicht zu ignorieren oder zu löschen.

Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit von einem sozialen Netzwerk. Es ist z.B. denkbar, dass in Zukunft von Facebook Geld für Unternehmensseiten verlangt wird. War man also sehr aktiv bei Facebook und konnte seine Reichweite ausbauen, ist man quasi gezwungen den Forderungen von Facebook zuzustimmen. Außerdem kann es auch sein, dass Facebook seine Regeln ändert, Inhalte zensiert oder Features löscht. Ein Beispiel für diese Abhängigkeit ist die Tatsache, dass Facebook entschieden hat, eigene Seiten für Städte zu erstellen. Die offizielle Facebook-Seite der Stadt München wurde deshalb einfach gelöscht.

Fast nicht vorstellbar aber möglich, wäre eine Insolvenz der sozialen Netzwerke, was schon öfter vorgefallen ist. Man schaue sich StudiVZ oder MySpace an. Auch andere Risiken sind nicht zu unterschätzen. So gerät Facebook immer wieder in Zusammenhang mit Datenschutz-Diskussionen in die Medien. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Problematik in Zukunft entwickeln wird. Zudem hat man auf Facebook deutlich weniger Kontrolle über Inhalte und die gesamte eigene Seite als auf einer eigenen Homepage. Dort darf man, sofern rechtlich erlaubt alles machen und muss sich nicht an die Richtlinien von Facebook halten.

Vorteile einer Website

Eine Website ist sehr stark darauf ausgerichtet den Seitenbesuchern ausführliche Informationen über Produkte und Dienstleistungen zu bieten. Man ist also im Vergleich zu dem Besuch einer Facebook-Seite nicht darauf aus unterhalten zu werden. Man möchte eine übersichtliche Darstellung von Informationen, Produkten und Lösungen. Kommunikation ist auch wichtig, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch kann man auch über Social Plugins eine Website schnell um Kommentarmöglichkeiten erweitern und interaktiv gestalten. Weiterhin ist eine Website langfristiger ausgelegt und versucht demnach Informationen über einen langen Zeitraum zu bieten. Bei Facebook geht es vielmehr um einen kurzfristigeren Zeitraum.

Klarer Vorteil von Websites ist, dass sie für jeden Internetnutzer verfügbar sind. Außerdem haben sie eine höhere Suchmaschinenrelevanz und werden folglich höher in den Suchmaschinenergebnissen gelistet. Auch ein sehr wichtiger Punkt ist die Gestaltungsfreiheit, die man bei einer Website hat. Man ist nicht, wie bei Facebook, an das vorgegebene Design gebunden und kann sich deshalb frei entfalten. Man ist abgesehen vom Hosting von keinen Entscheidungen dritter Unternehmen abhängig und kann eine seriöse sowie hochwertige Darstellung erreichen. Das betrifft natürlich auch die Inhalte, die auf einer Website veröffentlicht werden. So bietet eine Homepage zudem die Möglichkeit auch längere Artikel und detaillierte Informationen zu zeigen.

Da man mit einer Website auch die Absicht verfolgen kann, Produkte direkt online zu vertreiben, ist es hierbei auch umsetzbar einen Webshop direkt anzuschließen. Bei Facebook ist das nur beschränkt möglich und auch an bestimmte Regularien geknüpft. Insbesondere spezielle Systeme, wie z.B. Ticketbuchungen oder Flugauskünfte, können nicht ohne weiteres auf Facebook umgesetzt werden, da die Entwicklungsumgebung dahingehend beschränkt ist. Daneben kann ein eigener Blog integriert werden für aktuelle Themen oder für Whitepaper, der mehr Flexibilität als Facebook bieten kann.

Nachteile einer Website

Auch Websites haben einige Nachteile. So ist ein direkter 1:1 Dialog schwieriger durchzuführen. Das kann insbesondere bei sehr statische Homepages der Fall sein, die wenig Interaktionsmöglichkeiten bieten. Außerdem ist eine Website mit höheren Kosten verbunden, da sie programmiert, gepflegt und gehostet werden muss. Ein weiterer Punkt ist, dass man einen höheren Aufwand betreiben muss, um Besucher auf seine Seite zu locken. Mit Facebook kann das durch den viralen Effekt einfacher geschehen. Die Liste der Nachteile für Homepages ist zwar viel kleiner als die für Facebook, jedoch haben einige Nachteile, wie der Preis, hierbei ein sehr hohes Gewicht.

Fazit

Die Frage, ob eine Facebook Seite eine Website ersetzen kann muss letztendlich jeder basierend auf individuellen Umstände selbst entscheiden. Natürlich kann die Konzentration auf eine Facebook-Seite für manche Gruppen deshalb ausreichen. Wie man aber durch die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile sehen kann, macht es in den meisten Fällen wenig Sinn. Das bedeutet jedoch nicht, dass man auf soziale Netzwerke, wie Facebook, gänzlich verzichten sollte. Vielmehr sollte man sie als Ergänzung für seine Website sehen und sich des viralen Effektes bedienen. Bei Facebook sollten Markenbekanntheit, Reputation und Kommunikation mit der Zielgruppe im Vordergrund stehen. Es macht also am meisten Sinn auf sozialen Netzwerken Inhalte zu verbreiten, die nicht auf der Website zu finden sind. Dazu gehören bspw. Coupons, Rabattaktionen oder Gewinnspiele. Das bedeutet jedoch nicht, dass man darauf verzichten sollte, auch Informationen zum Unternehmen darauf zu veröffentlichen. Eine besonders gute Möglichkeit eine bessere Harmonie zwischen Facebook und der eigenen Website herzustellen, ist die Einbettung von Teilen- und Like-Buttons. Auch die Unternehmen FHM und Grey Global haben mittlerweile ihre Website wieder in Betrieb genommen. Insbesondere für B2B-Unternehmen ist es wichtig über die eigene Homepage viele Informationen und Fakten zu seinen Produkten zu bieten.

 

 

Credits:

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